Sonstiges:
Bärchen und die Milchbubis’ “Jung Kaputt spart Altersheime” schaffte in den 1980ern den bis heute
eigenwilligen Spagat zwischen Chart-Anwärter und Punk-Slogan. Seit der Werkschau “Endlich
Komplett Betrunken” (2021) und dem ersten neuen Album, “Die Rückkehr des Bumm!” (2023), tritt
das Trio um Annette Simons wieder live auf und ist gerade aus dem Hamburger Studio von Tobias
Levin (Produzent von u.a. Tocotronic, Ja,Panik, Rocko Schamoni) zurückgekehrt.
Auf dem neuen Album “Lach doch mal” wechseln sich wütende, nachdenkliche und lustige Songs
ab. Wie gewohnt bewegt sich die Musik irgendwo zwischen Punk und Pop. Konzerte der letzten
Jahre zeigen: Bärchen sprechen mit ihrer herzlichen, aber trockenen Sicht auf die Dinge die Fans
der 1980er genauso an wie nach 2000 Geborenen.
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“Lach doch mal!” Diesen Spruch kennt jede Frau, wenn sie mal nicht freundlich guckt und nicht den
Erwartungen entspricht – zum Beispiel, weil sie wütend ist. Gründe dafür gibt es ja reichlich. Genau, um
sich diese Gründe und dieses Gefühl aus den Gliedern zu schütteln, wurde Punk erfunden.
“Lach doch mal” ist aber auch ein Motto, mit dem die Band dem aktuellen Irrsinn des Weltgeschehens
entgegentritt. So wird sich lustig gemacht über die Tech-Bros, denn die sind nicht mehr als „Superschurken
mit Riesengurken“. Dass auch Bela B daran Freude hat, hört man im Duett von ihm und Annette.
Beim Thema der Neuen Rechten vergeht leider das Lachen: Die Bärchen-Generation war überzeugt davon,
dass mit dem Ableben ihrer letzten Nazi-Verwandten deren Denke überwunden sei. Diesen Irrtum besingt
Annette in „Nazi-Onkel“, geschrieben weniger als ein Jahr vor den Landtagswahlen in diesem Herbst. Als
direkter Konter schrabbelt auf „Sandkorn“ die Gitarre dann so trotzig, als wolle sie den Sand höchstselbst
ins Getriebe schaufeln und wütenden Mut machen.
Auf anderen Songs geht es um die Sehnsucht nach einem „Crush“, enttäuschende Freundschaften („Keiner
meiner Freunde ist ok!“) und den Wunsch, dass jemand uns sagt, „Ich glaub an dich“. In einigen dieser
Songs wird der Punk ganz leise und verspielt, beinahe zum Pop, wenn nicht gar zum Krautrock.
Träumerisch geht es auch in „Landstraßenfieber“ zu, denn wer viel unterwegs ist, verfährt sich auch
manchmal. Besonders, wenn er zum “Team ADHS” gehört!
A propos Rumfahren: Seit fünf Jahren sind Bärchen und die Milchbubis wieder live unterwegs, und wer sie
live erlebt (hat), bemerkt sofort ihre Spielfreude. Von den Musikerinnen, die sie unterwegs kennengelernt
haben, sind Stefanie Schrank (Gesang und Synthie auf „Ich glaub an Dich”) und die Feige Flittchen (“Lach
doch mal”) dabei. Außer Bass, Gitarre und Schlagzeug ist auch mal ein Kazou, ein Melotron oder eine
Ratsche zu hören.
Annettes Gitarre scheppert wie in ganz alten Zeiten. Kein Wunder, denn Tobias Levin hat die Platte gegen
den KI-Trend produziert und damit ein Statement gesetzt. Herausgekommen sind zwölf sehr
unterschiedliche Songs voller schräger Energie und Abenteuerlust. Mit Mut zur Lücke und Punk im Herzen.
Bärchen und die Milchbubis 2026 sind eigenwillig wie eh und je – und immer noch nicht fertig. Sie lachen
viel. Aber nur, wenn sie wollen.